Es ist diese durch und durch französische Geschichte, die uns
immer wieder in den Bann zieht. Die Geschichte der Coco
Chanel. Wie das Mädchen aus dem Waisenhaus die Mode der
Frauen revolutionierte. Was sie uns hinterlassen hat: ein
Unternehmen, das ihren Namen trägt, das kleine Schwarze,
das Kostüm, das auch ihren Namen trägt, dieser
unvergleichliche Duft im Flakon. – Chanel ist unsterblich.
Eine Verbeugung.

Coco Chanel, was für ein Name, was für ein Leben. Mehr noch: was für eine Lebensleistung in der Welt – und für die Welt – des Luxus und der Moden, des guten Geschmacks und der Eleganz. Vor dieser Leistung kann man sich nur verbeugen. Die Skandälchen, Legenden und politischen Irrwege in diesem schillernden Leben sind nicht unser Thema. Sie tun der Bewunderung aber auch keinen Abbruch.

Als Tochter eines Hausierers und einer Wäscherin wurde Gabrielle Chanel 1883 in einem westfranzösischen Armenhaus geboren. Als sie zwölf Jahre alt war, starb die Mutter. Der Vater gab sie in ein von Nonnen geleitetes Waisenhaus, wo sie nähen lernte. Ihn hat sie nie wieder gesehen. Mit 17, als man ihr gerade eine Anstellung als Näherin besorgt hatte, entschied sie sich spontan für eine Karriere als Sängerin. Eins ihrer beim Publikum beliebtesten Chansons hieß „Qui qu’a vu, Coco?“ („Wer hat Coco gesehen?“), und so war ihr Spitzname geboren. Aber noch bevor sich herausstellen konnte, ob sie das Zeug für eine zweite Piaf hatte, wurde sie die Geliebte eines gewissen Étienne Balsan, der sie mit nach Paris nahm und ihr ein Hutgeschäft finanzierte – ihr Einstieg in die Modewelt. Mit jungenhaften Mützen setzte sie sich bewusst von der damaligen Hutmode ab, über die sie lästerte: „Wie kann bloß ein Gehirn unter so etwas funktionieren?“ Ihr nächster Gönner, Arthur („Boy“) Capel ermöglichte ihr nicht nur den Weg von Hüten zu Kleidern, sondern auch von Paris in die mondänen Seebäder wie Deauville. Dort trug eine Boutique 1913 erstmals ihren Namen, was als Gründungsstunde des Chanel-Konzerns gilt. Der Erfolg kam schnell. Weitgehend von der Männermode inspiriert, fand Coco Chanel zu ihrer eigene Modesprache: mit Sportsakkos, Schlips und allem, was sie bei den wöchentlichen Pferderennen sah. Auch von Militärkleidung ließ sie sich inspirieren.

Das Mischen von weiblichen mit männlichen Modeelementen und die Verwendung von relativ einfachen Materialien wie Jersey wurden ihr Markenzeichen. Eine Feministin war sie sicher nicht, aber mit ihrer Mode habe sie doch entscheidend zur Befreiung der Frau beigetragen, wie Jean Cocteau ihr bescheinigt hat.

So hatte sie schon in den 20er Jahren einen annähernd legendären Ruf. Folgerichtig dauerte es nicht lange, bis Hollywood rief. Sie folgte dem Ruf, war aber schnell wieder zurück. Gerüchte über eine bevorstehende Heirat mit dem damals reichsten Mann Europas, dem Herzog von Westminster, dementierte sie so: „Es gab in der Geschichte schon viele Herzoginnen von Westminster. Es gibt aber nur eine Chanel.“

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    Blake Lively

Das stimmte allerdings nur bedingt, eigentlich gab es viele Coco Chanels. Kreativ, wie sie war, erfand sie sich und ihre Mode immer wieder neu.

Und doch, der Name wäre nicht so glänzend geblieben, hätte nicht der Parfumeur Ernest Beaux ihr 1921 einen Duft kreiert, der sich als flüssiges Gold entpuppte: Ch. Nr. 5 im Art-déco-Flacon, der ein zeitloser Klassiker wurde. Er heißt Nr. 5, weil er die fünfte Duftvariante war, die Beaux ihr vorschlug.

Dieser Duft hielt den Namen Chanel selbst dann noch hoch, als sie bei den Franzosen in Ungnade fiel. Nur dank guter Beziehungen entging sie nach dem Krieg haarscharf einem Prozess wegen Kollaboration mit den Nazis.

Bis 1954 hielt sie sich, fern von Paris, im mondänen Lausanne in der französischen Schweiz bedeckt. Dann ein glänzendes Comeback, nicht als Unternehmerin, denn sie hatte schon 1952 alles an die Familie Wertheimer verkauft, sondern als Modeschöpferin: mit dem inzwischen legendären Chanel-Kostüm.

Die französische Presse, immer noch verschnupft, konnte sich zunächst nicht zu ungeteilter Zustimmung durchringen, aber dafür ging es in den USA gleich richtig ab. Coco Chanel hatte einen Nerv getroffen und sich im internationalen Rampenlicht zurückgemeldet.

1971 – sie war 87 – starb sie in ihrer Suite im Hotel Ritz. Ihre letzten Worte, an die Umstehenden gerichtet, sollen gelautet haben: „So stirbt man also.“ Ob jemand geantwortet hat: „Du bist unsterblich, Coco“, wissen wir nicht. Aber er hätte recht gehabt. Und ihr hätte der Satz gefallen.

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