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Alexander Laible von WHITE begleitete Rupert Wild auf die Luxury Conference von Condé Nast in der Hauptstadt Südkoreas. Hier berichtet er, was ihn beeindruckt hat. DER 19.APRIL ist ein schöner Frühlingsabend in Seoul. Während die Sonne langsam über der koreanischen Millionenmetropole untergeht, kommt die Szenerie im Garten des Shilla Hotels, spektakulär an einem bewaldeten Hang gelegen, gerade in Fahrt. Schwarz gewandete Kellner reichen eiskalte Drinks und Caviar-Canapés, in den Bäumen leuchten Lichterketten, und die Gäste der Condé Nast International 2016 Luxury Conference finden sich in Cocktailgarderobe zum ersten Get-together der Veranstaltung ein. Balmain-Chefdesigner Olivier Rousteing nippt am Gin Tonic. Diesel Artistic Director Nicola Formichetti begrüßt Condé Nast CEO Jonathan Newhouse. Trotz des fast 18 Stunden langen Fluges ist man gespannt und neugierig, was in den kommenden Tagen passieren wird. Die Condé Nast International Luxury Conference, CNI Lux, wie sie offiziell auf Instagram gehashtagt wird, steht in diesem Jahr unter dem Motto „Future Luxury“.

Zwei Tage lang werden hochkarätige Referenten aus aller Welt darüber sprechen, wie sich eine ganze Branche in den Zeiten von Globalisierung, Digitalisierung und Social Media für die Zukunft wappnet.

Die Schirmherrschaft der Konferenz hat, wie im letzten Jahr in Florenz, Suzy Menkes, Urgestein des Modejournalismus, weit über Branchenkreise hinaus bekannt. 25 Jahre lang schrieb und kommentierte sie für die International Herald Tribune. Heute arbeitet sie exklusiv für Condé Nast.

Einer der offiziellen Sponsoren ist – wie schon 2015 in Florenz – WHITE Communications. Warum Korea, warum Seoul als Austragungsort für die CNI Lux 2016? Was macht den Reiz der Region aus? Darauf gibt Suzy Menkes, die Frau mit der charakteristischen Haartolle, am nächsten Morgen die Antwort, als sie in einem mit Kranichen bestickten Seidenmantel die Bühne der Konferenz betritt. Südkorea und insbesondere die Metropole Seoul boomen. In der asiatischen Welt gelten das Land und seine Hauptstadt als eine Art Tor zur Zukunft. Charakteristisch für Seoul sei eine starke „inspirational cultural energy“, wie es Suzy Menkes ausdrückt. Es gibt eine Welle von so genannten „K“-Versionen kultureller Disziplinen. „K-Fashion“, „K-Art“ und „K-Pop“ sind eigene Auslegungen Koreas, was Mode, Kunst, oder Musik betrifft (Wir alle haben noch den Song „Gangnam Style“ des südkoreanischen Rappers Psy im Ohr, ein Beispiel für weltweit erfolgreichen K-Pop).

Doch auch in Bezug auf Technik und Digitalisierung ist Seoul mit seiner Vorzeige-Company Samsung und zahlreichen eigenen Automobilfirmen exzellent aufgestellt. Es boomt gerade ganz gewaltig in Südkorea.

Ein passendes Umfeld also, in dem man sich befindet, als Menkes ihren ersten Gast auf die Bühne bittet: Olivier Rousteing, 28, Chefdesigner des Pariser Traditionshauses Balmain, best buddy der Kardashians und aller Supermodels unserer Zeit. Sein Thema: die Power von Social Media. Er selber, berichtet er, verfügt über einen Instagram Account von knapp drei Millionen Followern. Man kann annehmen, dass er weiß, worauf es ankommt.

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    Begeisterte Begrüßung der K-Pop-Stars

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    Rupert Wild mit Top-Managern von Condé Nast: Moritz Von Laffert (Deutschland) und Jonathan Newhouse (International)

Ja, worauf denn? Er bringt einen Begriff ins Spiel, den man für altmodisch halten kann, dessen Gültigkeit aber ungebrochen ist: die Ehrlichkeit. Die Follower, argumentiert er, seien keineswegs dumm und achteten sehr genau auf den Authentizitäts- und Charmegehalt, den ein jeder Post besitzt. Rousteing führt uns ein paar Posts von sich vor: Couture-Kleid neben der morgendlichen Schale Cornflakes, Selfie mit Kim Kardashian neben einem anderen, das ihn verschlafen auf der Couch seiner Pariser Wohnung zeigt. Es ist diese Mischung, auf die es ankommt, wenn man Follower gewinnen und bei Laune halten will. Das macht er deutlich. Denn auch wenn sich nicht unbedingt jeder Balmain auch wirklich leisten kann, so geht es – für ihn – in erster Linie darum, Instagram als Multiplikator für die Geschichte zu nutzen, die er mit seiner Interpretation von Balmain erzählen will: „Work hard and live your dream.“ Dass Träume und Visionen sehr gut über die sozialen Netzwerke transportiert werden können und folglich eine enorme Aufmerksamkeit in der Branche erfahren, ist eine zentrale, wenn auch wenig überraschende Erkenntnis auf dieser Konferenz. Die Topmodels Sasha Luss und Liu Wen erzählen von der enorm wichtigen Rolle, die Instagram mittlerweile für sie und die Branche spielt. Bis zu 1,5 Millionen Likes für ein Lipgloss-Posting! Man versteht, dass auch die Industrie Gefallen an der lukrativen Plattform findet. Nicola Formichetti, Chefdesigner von Diesel und als Stylist verantwortlich für Lady Gagas legendäres Fleisch-Kleid, mahnt hingegen zur Besonnenheit: Follower könne man doch „ganz easy“ kaufen, stellt er nüchtern und ein wenig sarkastisch fest. Am wichtigsten sei es doch, die Kunst, das Design und somit die Schönheit des Produktes selbst nicht aus den Augen zu verlieren.

Damit eben dies nicht geschieht, gibt es an diesem Tag noch weitere so spannende wie erhellende Vorträge: etwa von Jason Wu (Womenswear Designer Hugo Boss) und der Taschendesignerin Anya Hindmarch. Aber auch ein Redner wie der in Korea berühmte plastische Chirurg Sanghoon Park hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Er erzählt, dass Plastic Surgery in Korea schon längst Teil des täglichen Lebens ist und damit ein ernst zu nehmender Konkurrent für Kaufentscheidungen von Luxusprodukten. Chanel- Tasche versus neue Nase. Ein Phänomen mit wachsender Bedeutung für die Beauty- und Fashion-Industrie wird so sichtbar. Sanghoon Park schließt seinen Vortrag mit der Feststellung „Not everyone can be born beautiful“. Gut, dass seine Zielgruppe weiß, an wen sie sich in diesem Fall wenden muss. Ein weltweites Netzwerk an Park-Kliniken spricht jedenfalls für sich. Überhaupt ist, so stellt sich innerhalb der zwei Tage heraus, das asiatische Kauf-Publikum sehr modern und selbstbestimmt, wenn es um die Partizipation an Luxus und Mode geht. Man will konsumieren und gleichzeitig mitbestimmen.

Amüsant ist die Anekdote, die Angelica Cheung zum Besten gibt, Chefredakteurin der chinesischen Vogue und damit so etwas wie die asiatische Version von Anna Wintour. Sie hatte ihrer Tochter eine Styling- Empfehlung gegeben, die von der aber ignoriert wurde. Mutter Cheung legte nach: als Chefredakteurin der VOGUE kenne sie sich schließlich aus und sie, die Tochter, könne ihr vertrauen. Mag ja sein, hat die Tochter geantwortet, „du kannst vielleicht Vogue- Style, aber kannst du auch meinen Style?“ Vermutlich liest die Tochter der Chefredakteurin eher VOGUE ME, die Ausgabe für Jugendliche. Freundschaftlicher Rat und Unterstützung in Stylingfragen ist nicht nur dort eine Art Mantra, sondern überhaupt der bevorzugte Ansatz für koreanische Marken, wenn es um die Erschließung neuer Zielgruppen geht. Denn, so Angelica Cheung, man erlebe gerade die erste Generation, die ohne Armut aufgewachsen ist und über eine neue Definition von Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung verfügt.

Es geht, darüber ist man sich auch abends beim großen Condé-Nast-Cocktailempfang im von Zaha Hadid entworfenen Dongdaemun Museum einig, im Wesentlichen um zwei Dinge, wenn man über die Zukunft von Luxus nachdenkt: erstens die Veränderungen und die Demokratisierung (etwa durch Social Media) einer einst sich exklusiv fühlenden Branche zu erkennen und zu akzeptieren. Und, zweitens, das Storytelling. Die Maschinerie der Sehnsüchte muss gefüttert werden – charmant, intelligent, nachhaltig. In den Köpfen der Konsumenten müsse etwas geschehen, Träume angeregt und Begehrlichkeiten geweckt werden. Als ich mit Olivier Rousteing auf dem Cocktailempfang ein Foto mache, möchte er es erst absegnen, bevor es verwendet werden darf. Storytelling will eben auch kontrolliert sein. Anschließend verschwindet er in seiner Limousine in die Nacht von Seoul. Er wird an diesem Abend noch einiges auf seinem Instagram-Account posten. Sein am liebsten benutzter Hashtag ist zugleich die wohl zentrale Erkenntnis der CNI Conference: Fashion never stops.

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